Erik Schneider [eriks bei serik.de]Flagge GroßbritannienBlog about my master thesis

Kurzgeschichte: Karl und Jenny

Sa, 2005-07-16 19:13

Karl fand Jenny umwerfend. Genau genommen konnte Karl gar nicht umgeworfen werden, dafür war er viel zu rund. Aber er fand sie auch großartig obwohl sie genauso groß war wie er. Ihn störte das alles aber nicht. Für ihn würde sie immer großartig und umwerfend sein.
Warum er so Jenny so toll fand? Das wusste er gar nicht so genau. Er hatte sich in den Pausen schon viele Gedanken gemacht und ihm vielen tausend Dinge ein warum sie toll war, aber all das konnte gar nicht beschreiben warum sie jetzt wirklich so toll war und kam ihm nicht gut genug für sein Gefühl vor. Trotzdem dachte er oft daran und es war wichtig für ihn und er wollte es immer jedem erzählen den er sieht, doch leider konnte er das nicht.
Jenny war weiß und mit einem Kleeblatt bemalt. Jedes der vier Blätter hatte eine andere Farbe. Im vierten Blatt war ein kleines Loch, da fehlte etwas. Er fragte oft warum das wohl so war und ob sie deshalb nie dahin lief wo sie hin sollte. Immer machte sie den Kindern Probleme. Sie tollte und tummelte sich in den entlegensten Orten herum. Er fand das wunderbar. Sie war so voller Leben und voller Gefühl. Durch jede kleine Senke und jedes Steinchen rollte sie und ließ sich davon leiten. Die ganze Welt schien sie zu führen und für sie da zu sein und so kam sie an die wundersamsten Orte.
Manchmal fragte er sich ob sie ihm sonst gar nicht aufgefallen wäre. Würde er sie mögen wenn sie schwarz wäre wie die meisten und einfach dem vorbestimmten Pfad folgen würde? Schließlich machte sie das besonders und deshalb fand er sie viel toller als alle anderen.
Er konnte sich noch daran erinnern das es einmal einen Tag gegeben hatte wo sie gegen ihn geprallt ist. Sie ist danach ins Loch gefallen und lag da mit den Schwarzen. Ich hatte das Gefühl sie hatte dahin gewollt und als sie so da lag da spiegelte sich das Schwarz überall an ihr und sie wurde auch fast schwarz und er hatte Probleme sie von den anderen zu unterscheiden. Völlig durcheinander war er an dem Tag gewesen. Zum einen hatte sie ihn berührt und er war so glücklich darüber. Zum anderen war sie dunkel, fast schwarz, geworden wegen ihm. Er hätte sie nie dorthin stoßen wollen. Wie hatte er nur übersehen können, dass sie nach dem Aufprall im Loch landen würden?
An dem Tag lag er alleine draußen. Niemand war mehr da. Nicht mal mehr sie. Er wollte gerne alle rausholen und aufreihen und dann würde er sie finden und ganz weit weg vom Loch bringen. Doch das konnte er nicht.
Jetzt wo er wusste, dass sie vielleicht doch zu den Schwarzen will wurde er manchmal traurig. Sie war doch so toll, so einzigartig, so voller Leben. Wie konnte sie dieses Schwarz mögen. Man konnte keine Kontur, keinen Unterschied, nichts Tolles erkennen an den Schwarzen. Sie waren einfach da und strahlten in ihrer glatten, schalen Reinheit. Wie schlimm war das? Wie traurig? Wie trostlos?
Nicht das er sich besser fand. Er hatte rote Punkte. Er mochte seine roten Punkte nicht. Es waren auch nicht schöne, mit Liebe aufgetupfte rote Punkte, sondern sahen eher aus wie das Resultat eines verschütteten Farbkastens. Aber daran woher sie kamen konnte er sich nicht mehr erinnern.
Manchmal überlegte er ob er Jenny gut fand weil sie nicht schwarz war. Oder besser weil sie zusammen nicht schwarz waren. Das fand er eine Zeit lang sehr traurig. Aber irgendwann kam ihm die Idee, dass das gar nicht traurig sein musste, denn was für eine Rolle spielte es warum es so war. Er wusste ja sowieso nicht warum er sie toll fand. Das war viel größer als die einzelnen Dinge die so toll waren. Nur eins war klar für ihn. Sie war umwerfend und großartig und jedes Mal wenn die Schulklingel über den Hof schallte und die Kinder ihre Murmeln einsammelten, dann war da nur noch die große Hoffnung, dass Jenny eines Tages in dem Murmelsäckchen neben ihm liegen würde und er ihr all das endlich erzählen könnte.