Inwiefern Atomkraftwerke bei der Reduzierung des Ausstoßes Kohlenstoffdioxid (CO2) helfen kan sollen die Argumente von Gegnern der Atomkraft und die der neutraleren Deutschen Physikalischen Gesellschaft verglichen werden.
Gegen die Nutzung von Atomkraft führt Greenpeace eine List der gängigen Argumente:
- Risiko der Atomkraft (Beispiel: Tschernobyl)
- keine sicheren Endlager
- Uran ist ein endlicher Rohstoff
- Investitionen sollten in erneuerbare Energien gemacht werden
Diese Argumente sind alle legitim, mit dem erneuten Aufkeimen der Diskussion über Klimaschutz, muss die Situation allerdings umfassender betrachtet werden. Die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) stellte schon 2005 in ihrem Bericht Klimaschutz und Energieversorgung in Deutschland 1990 – 2020 einige wichtige Aussagen für den Klimaschutz vor.
Die Veränderungen des Ausstoßes von CO2 in Millionen Tonne pro Jahr wird so eingeschätzt:
- Strom aus erneuerbaren Energien (hauptsächlich Windenergie): Verminderung um 8 bis 15
- Modernisierung der fossilen Kraftwerke und Verdoppelung des Gasanteils auf 32%: Verminderung um 23
- Einführung alternativer Treibstoffe im Verkehr: Verminderung um 20
- Abschalten der Kernkraftwerke und Ersatz durch modernste fossile Kraftwerke mit Gasanteil 40%: Erhöhung um 112
Diese Steigerung der CO2-Emissionen kommt zustande, da zurzeit erneuerbare Energien die Atomkraft nicht ersetzten kann. Die „fehlende“ Energie würde durch fossile Kraftwerke erbracht werden. Eine Senkung der Emissionen wäre durch die kurzfristige Abschaltung der Kernkraftwerke nicht möglich und dieser sogar gegenläufig. Die DPG schlägt als vor, die Kernkraftwerke weiterlaufen zu lassen und solarthermische Kraftwerke im Süden Europas oder besser in Nordafrika zu errichten.
Bei einer Gegenüberstellung der Argumente ist zu bemerken, dass eine befristete Weiternutzung der Kernkraftwerke drei der Argumente von Greenpeace nahezu auszuhebeln scheint. Die ungeklärte Endlagerung wird nicht erheblich verschärft, auf den Rohstoff Uran wird nur die nächsten Jahre gesetzt und die Investitionen sollen in erneuerbare Energien fließen. Der Rohstoff Uran ist weiterhin für die nächsten 200 Jahre vorhanden, obwohl die Prospektion seit Jahrzehnten nicht mehr betrieben wird.
Angemerkt werden muss hier, dass die Diskussion um Kernkraft sehr hitzig geführt wird. Dies hat in der Bevölkerung eine Verunsicherung ausgelöst und Argumente werden misstrauisch betrachtet. Bei genauerer Betrachtung erscheinen die Auswirkungen eines Klimawandels allerdings sehr viel dringender und akuter, als die Risiken der Atomkraft.
Persönliche Bemerkung: Dieses Thema ist heißt umstritten. Ich habe versucht die von mir zusammengetragenen Informationen so neutral wie möglich zu präsentieren. Eigentlich bin ich ein Gegner der Atomkraft, die Argumente für eine mittelfristie Weiternutzung der Kernkraftwerke scheint aber erdrückend. Momentan sehe ich dies als das kleinere Übel an.
Ich war so frei, und habe noch ein paar ergänzende Zahlen dazu gesucht. Leider gibt es da wohl nix genaues, die Zahlen schwanken aber von 8-65 Gramm CO2 pro kWh bei Atomkraft. Fossile Energieträger beginnen bei ca. 370g/kWh.
Trotzdem finde ich die Vorstellung von atomaren Müll, den man nie wieder los wird, wesentlich gruseliger als die zusätzlichen Klimagase...