Erik Schneider [eriks bei serik.de]Flagge GrobritannienBlog about my master thesis

Gemeinsam ganz werden

Do, 2006-05-18 09:24

Iĝi kune kompleta

Artiekl für das Magazin "AHDMO", welches für die Conmedia produziert wird. Autoren: Erik Schneider (das bin ich) und Florian Sander

Integration kommt von "integer", was soviel wie "ganz" bedeutet. Einwanderer müssen im Zuge der Integration mit ihrer neuen Heimat "ganz werden". Zu Beginn ist jedoch erst einmal wenig "ganz". Teils tiefgreifende kulturelle Unterschiede, eine schwer zu erlernende fremde Sprache und die noch nicht vorhandenen sozialen Kontakte erschweren die Integration.

Trotzdem fordern Politiker und Medien fast ausschließlich Ausländer dazu auf, mehr Integrationsbereitschaft zu zeigen. Doch ist das Problem wirklich deren mangelnde Bereitschaft? Beispielsweise sollten Studenten ein Musterbeispiel an Integrationsfähigkeit darstellen. Sie sind überdurchschnittlich gebildet, aufgeschlossen und - gerade bei Auslandsaufenthalten - neugierig auf fremde Kulturen.

Ein Beispiel für die Förderung interkultureller Kontakte ist das Erasmusprogramm. Die Teilnehmer knüpfen in der Tat zahlreiche Kontakte zu Studierenden aus anderen Kulturkreisen, allerdings meistens nur wieder zu Teilnehmern des Erasmusprogramms. Erasmus bleibt trotz aller Interkulturalität unter sich - Integration ins Gastgeberland Fehlanzeige.

Gruppenbildung liegt nun mal in der Natur des Menschen. Wir suchen uns immer andere Menschen, mit denen wir Gemeinsamkeiten teilen - Hobbies, Musikstile, politische Einstellungen oder eben die gemeinsame Fremdheit in einem anderen Land.
Wenn sogar Austauschstudenten mit solch idealen Vorraussetzungen diesen Mechanismen erliegen, wie können wir bei Einwanderern dann erwarten, dass Integration einfach so passiert?

Integration ist nichts Selbstverständliches, sie muss erst erarbeitet werden. Von beiden Seiten. Aus zwei Teilen kann nicht ein Ganzes werden, wenn sich nur ein Teil darum bemüht. Deshalb ist nicht nur die Bereitschaft der Einwanderer zur Integration unerlässlich - auch die Gastgeber sind gefordert.
Wer die Abkapselung unterstützt, indem die „Abschiebung“ von Ausländern in Asylantenheime, Ghettos oder spezielle Schulsysteme hingenommen wird, darf sich nicht wundern, wenn die Integration ausbleibt. Wer keinen Kontakt zu Immigranten hat, muss sich nicht wundern, wenn diese auch keinen Kontakt zu Deutschen haben.

Wann haben Sie sich zuletzt mit einem Einwanderer zum Essen verabredet?

(Von dem Artikel habe ich auch schon einen nicht so glücklichen ersten Entwurf veröffentlicht.)

Geschrieben von Peter (nicht überprüft) am Fr, 2006-05-19 19:01.

Damit ist die Problematik der Ausländerintergration treffend beschrieben. Ein guter Beitrag zu diesem Thema!

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