künstliche Verknappung

3500 Tauschbörsennutzer wurden identifiziert und 130 Wohnungen durchsucht

Dies meldet Golem.

Der Staat ergreift Maßnahmen gegen Urheberrechtsverletzer. Prinzipiell ist dies eine gute Sache, denn ich denke, dass jeder Urheber ein Recht auf sein Werk haben sollte. Hier ist es allerdings das System und die Auslegung des Rechtes, welche mich massiv stört.

Ursprünglich tauschte man Objekte. Hier geht es nicht um Tauschbörsen im Internet sonderen in der Steinzeit. Irgendwann wurde Geld eingeführt, um besser tauschen zu können. Das Prinzip ist einfach: Einem knappen Gut wird ein monetärer Gegenwert entgegengesetzt.

Der Aufwand der Vervielfältigung von Musik und Filmen ist jedoch heute so gering, dass hier durch das Verlangen von Geld und/oder durch Auslegung des Gesetztes eine künstliche Verknappung erfolgt. Dass sich Menschen dagegen auflehnen ohne einen direkten (einen indirkten aber sehr wohl) Schaden zu verursachen finde ich nachvollziehbar. Dass diese Menschen für diese Auflehung massive Probleme bekommen finde ich nicht nur unverständlich sondern auch verwerflich. Letztendlich ist uns doch allen klar, dass einige Leute sich bereichern wollen und dafür Gesetzte, welche meines Erachtens ursprünglich eine andere Bestimmung hatten, für ihre Zwecke ausnutzen. Leider kann hier keinem direkt die Schuld gegeben werden, denn es ist vielmehr das kapitalistische System, welches sich verselbstständigt und sich gegen Menschen wendet. Natürlich darf keinem Menschen Geld geklaut werden. Aber: Wäre die Welt nicht schön, wenn etwas das jeder haben könnte auch jedem zur Verfügung gestellt wird?

Einige Fragen, die dieses Thema aufwirft habe ich mich schon in einem älteren Artikel gestellt.

Nachtrag (24.05.06):

Bei Golem wird nun von einem Rechtsanwalt berichtet. Dieser erwähnt, dass die Musikindustrie in einer Beweispflicht ist, welcher sie nur erschwert erbringen kann. Die Frage ist, wie viele Angeklagte sich aufgrund der enormen und utoplischen Summen von bis zu 40 Millionen Euro einschüchetern lassen und einen Vergleich annehmen, bei dem sie wesentlich günstiger wegkommen.

Ich bin jedenfalls gespannt, ob es überhaupt Prozesse geben wird. Diese wären sicherlich sehr interessant.

Nachtrag (29.05.06):

Wieder gibt es bei Golem etwas neues zum Thema Urheberrecht. Zwar kann die Richtung noch nicht ganz klar festgestellt werden, doch tendenziell wird von Justizministerin Zypries ein humanerer Umgang mit Abmahnungen zum Thema Urheberrechtsverletzungen gefordert. Das ist doch mal eine positive Entwicklung, auch wenn die Grundproblematiken damit sicherlich nicht gelöst werden.

3 Gedanken zu “künstliche Verknappung

  1. Naja, ich kann mir viele
    Naja, ich kann mir viele verrückte bis sehr gefährliche Dinge ausdenken, die mit der aktuellen Technik möglich sind. Aber ich tue sie nicht.

    Die Argumentation geht doch schon in die Richtung: “Mein Gott, der hat vier Autos und sieben Wohnungen, macht es ihm wirklich was aus dem ein Auto und eine wegzunehmen ?” Die Hersteller der Medien stellen sie her, weil sie ein bestimmtes Businessmodell verfolgen.

    Ist einem die Limonade zu sauer, dann kauft und nutzt man sie halt nicht – man denkt sich nicht einen “möglichen technischen Weg” aus, in die Fabrik einzubrechen und Kanister “kostenlos” zu füllen. (Der Bezinklau ist übrigens um 22% im letzten Jahr angestiegen…)

    Das schlimme an der heutigen Zeit ist, das die künstliche Verknappung doch gar nicht das Problem ist – der überfluss ist es. Man kann sich nicht beherrschen, nicht beim Essen, nicht beim Einkaufen (Teleshopping süchtige) und auch nicht beim download.

    Es reicht nicht zwei, drei gute Alben für 9 EUR zu kaufen, nein, es müssen so viele sein wie die DSL-Leitung hergibt. Idealerweise für Lau, weil, eigendlich, interessiert einem der Download nicht wirklich.
    Es ist eine Selbstbeschäftigung, es ist ein Haben wollen, weil es neben der Tonne Chips und der Kiste Alkohol eben toll ist, die zweite 100er Spindel die Woche mit Medien-Müll vollzukippen, der einen in drei Wochen schon gar nicht mehr interessiert.

    Fragt doch mal die Intensivnutzer, welche der 100000 Musikstücke von 2004, 2005, welches Album noch in ihrem Gedächtnis geblieben ist? Schnell kriegt man eine gelangt, weil man ihr verzweifeltes, kaputtes Leben in Frage stellt, das sich freut wenn die Kapazität der DSL Leitung alle acht Monate wieder verdoppelt werden kann.

    Was die Industrie macht ist pure Verzweiflung, genauso wie die Verzweiflung der Polizei ob der steigenden Jugenddrogensucht oder der Gesundheitskassen die immer stärker ansteigende Übergewichtigen. Man kämpft gegen Windmühlen, weil man nicht versteht das es in 90% der Fälle gar nicht um den Inhalt geht.

    Anstelle die Symptome zu verurteilen sollte man mal auf die Ursache
    zurückkommen, warum irgendwer 8000 Titel “Musik” saugen muss. Die Musik kann es nicht sein, der Musiker kann es nicht sein, die Kunst kann es auch nicht sein.

    Was ist es denn dann ?

  2. Künstliche Verknappung ist keine Kopierrechtfertigung
    Ich hab keine Ahnung, wie ich einen Trackback setze – falls das hier überhaupt in diesem Zusammenhang Sinn macht – aber ich fände es sehr interessant Deinen Artikel in Beziehung zu setzen mit Deinem Artikel über “Bloginhaltsklau” http://www.serik.de/blog/textklau

    Unter diesem Aspekt finde ich Deine Haltung äußerst suspekt. Ich hab die genauen Zahlen nicht im Kopf aber es waren – glaub ich – ca. 3 EUR (Summe aus direkter Ausschüttung + GEMA-Einkünften), welche die Autoren der Musik pro verkaufter CD bekommen.

    Dass an der verkauften CD nicht nur die Künstler selbst verdienen, sondern auch alle anderen beteiligten Unternehmen, die jeweils ihre Teil dazu beigetragen haben, zu helfen, dass eine CD auf den Markt kommen kann (Studiokosten, Mastering, Gestaltung, CD Produktion etc.), halte ich nicht für verwerflich.
    Wo genau siehst Du jetzt “, dass einige Leute sich bereichern wollen und dafür Gesetzte, welche meines Erachtens ursprünglich eine andere Bestimmung hatten, für ihre Zwecke ausnutzen.” ?

    Was ich sagen will: Auch ich kaufe mir nicht jede CD (weil ich es mir einfach nicht leisten kann), aber ich finde, es “ist nicht sehr nett” zu versuchen die unrechtmäßige Handlung des Kopierens (sowohl im falle einer CD, wie auch im Falle eines Blogartikels) durch eine pseudomäßig konstruierte Verknappungsstruktur und die Auflehnung gegen selbige zu rechtfertigen.

    • die Perspektive ist anders
      Ich glaube meine Perspektive auf die Angelegenheit ist einfach anders.

      Der Textklau Aritkel ist ein gutes Beispiel. Ich habe den Artikel geschrieben und wer ihn kopiert sollte das kenntlich machen. Der Artikel wurde wir dort steht ja auch geändert und nun ist es einfach ein langes Zitat meines Artikels. Das finde ich gut so. Der Text ist immer noch einfach kopiert aber mein Recht als Urheber, was ich gerne hätte, ist gesichert, denn es steht dabei, dass der Text von mir ist.

      Und genauso fände ich eben die Welt schöner! Alles was sich so einfach kopieren läßt und theoretisch deshalb jeder haben kann sollte auch jeder haben können. Ich schrieb ja auch das mich das System des Ausgleiches mit monetären Werten irgendwie stört und die Auslegung des Gesetztes. Also meiner Perspektive ist einfach viel weiter. Ich denke wenn wir in einer sozialeren Welt leben würde in dem Geld nicht mehr als das bestimmende Mittel für fast jede (ob nun kreativ oder nicht) Arbeitsleistung angesehen werden muss. Das wäre doch einfach toll. Ist leider nicht so. Deshalb sagte ich auch am Ende des Artikels, dass das System derzeit so ist, dass sowas nicht nicht geht, da keinem Geld so auf indirekte Weise geklaut werden kann. Oder zumindest muss man sich im klaren sein, dass wenn man es tut, sowas unrecht ist. Aber dass es überhaupt unrecht ist regt mich auf. Und wenn ich Musik produzieren würde, dann würde ich gerne in einer Welt leben in der ich diese einfach an möglichst viele Leute weitergeben kann und ich wollte nicht daran denken wie ich denn mit meiner Musik möglichst viel Geld anhäufe.

      Aber das ist wohl nicht nur in der Musikindustrie und Tauschbörsen ein Problem sondern überall. Womöglich unlösbar, weil der Mensch ist wie er ist. Allerdings ist es halt im Musikgeschäft momentan auf die Spitze des Berges getrieben, besonders wenn in den USA ernsthaft solche Vorschläge gemacht werden.

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